Die neue Mobilität und der Fahrermangel der LKWs

Die neue Mobilität und der Fahrermangel der LKWs

Während in den Städten gerne über die große Zukunft diskutiert wird, geht es in der Logistik um eine ganz bodenständige Herausforderung: Akuter Fahrermangel. Doch wer genauer hinsieht, merkt schnell, dass es eben doch um so viel mehr geht. Über neue Mobilität und was sie mit dem Fahrermangel zu tun hat.

Es sei das „beherrschende Thema“, man stünde „kurz vor dem Verkehrskollaps“, der Fahrermangel könne sich „ganz schnell spürbar auswirken“, der Markt sei „leer gefegt“ – so werden Vertreter der Logistik-Branche in einem aktuellen Bericht der VerkehrsRundschau zitiert. Und auch einige beeindruckende Zahlen werden mitgegeben: Bis 2030 könnten rund 150.000 Fahrer fehlen, bis dahin würden 40% aller derzeitigen Fahrer in Rente gehen.

Debatte im vollen Gange

Die Debatte wird dieser Tage im Rahmen der transport logistic München geführt, auf der auch citkar mit dem Loadster vertreten ist. Auf dem „Drehkreuz der globalen Logistikbranche“, wie es die Veranstalter beschreiben, geht es neben der multimedialen Branchen-Schau in Debatten etwa um „Lkw-Fahrer 4.0 – Quo vadis Berufskraftfahrer?“, „Künstliche Intelligenz in der Transportlogistik“ oder auch „Wege aus dem Logistik-Dilemma: Flächen- und Fachkräftemangel – was tun?“

Die Überschriften verraten, dass es auf der Messe in München nicht nur um den vielzitierten Fachkräftemangel geht, wie er auch landauf, landab in vielen Wirtschaftszweigen beklagt wird. Sondern hier verändert sich was! Die Mobilität ist im Wandel und das schlägt sich auch auf die Situation auf dem entsprechenden Arbeitsmarkt aus. Dabei gibt es verschiedene Ansätze zu betrachten.

Fehlende Ausbildung und Attraktivität

Im Artikel der VerkehrsRundschau wird u.a. das Wegbrechen der Wehrpflicht angeführt. Da hier häufig auch der LKW-Führerschein angeboten wurde und diese staatlich finanzierte Ausbildung nun wegfällt, sind die Logistiker nun erstmals fast vollständig allein dafür zuständig. Das ist sicher nicht schön, aber dieses Problem haben andere Branchen schon lange. Keine Tischlerei und keine IT-Sicherheitsfirma bekommen ihre Fachkräfte vom Fließband der Bundeswehr.

Auch wird angeregt, das Fahren und die LKWs attraktiver zu machen. Auch diese Entwicklung kennen viele Personalleiter bundesweit, wo für manche Arbeitnehmer mitunter viele tausend Euro in die Rekrutierung und Motivierung gesteckt werden. Es muss erlaubt sein zu fragen, inwieweit der Beruf des LKW-Fahrers attraktiv ist, wenn die digitale Welt mit allerlei Verlockungen daherkommt. Die Crux ist aber: Genau diese digitale Welt verlangt, dass der Beruf gerade nicht ausstirbt!

Eine digitale Debatte

Denn kaum eine so traditionelle Branche erlebt einen derartigen digitalen Boom wie die der Logistik. Auch wenn sicher schon im alten Ägypten Waren transportiert wurden, mit dem Aufkommen des Online-Handels sind die Grenzen buchstäblich gesprengt. So viel, wie dieser Tage hin und her versendet wird, wurde sicher zu keinem Zeitpunkt in der Menschheit teilweise um den halben Planeten gejagt.

Und damit ist die Debatte um Fahrermangel mittendrin im Zeitalter der neuen Medien, der neuen Arbeitswelt und der technischen Herausforderung. Denn nicht zuletzt wird immer wieder gerne auf die Technik verwiesen, die dem großen Unheil begegnen soll. Dabei spielt ein Thema immer eine besondere Rolle: Die Drohne. Aber kann sie den Menschen wirklich ersetzen?

Vom Summen und Tuckeln

Stellen wir uns einfach mal einen normalen Samstagmorgen vor. Man öffnet sein Fenster, will frische Luft hineinlassen und die Sonne begrüßen – und man hört nur: SSsssSSsSsSss. Ein einziges Konzert aus Paket- und Waren-Drohnen vor dem eigenen Fenster. Auch auf dem Bürgersteig suchen sich Liefer-Roboter ihren Weg, auf dem Balkon – sofern man einen hat – stapeln sich die Einkäufe, die man in der Nacht zuvor beim „Schlafen-Geh-Spezial-Angebot“ bestellt hat.

Wollen wir in so einer Welt Leben? Und wenn nicht: Ist die Drohne dann ein Irrweg? Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte: Es muss und wird einen gesunden Mix geben. Während das wochenlange Getuckel mit 80 km/h auf den Autobahnen eventuell ein Auslaufmodell ist (ungeachtet der Liebhaber; soll ja auch noch Fans der Langspielplatte geben), ist in den Städten der direkte Kontakt zum Menschen weiterhin hoch gefragt.

Auftritt: Das Fahrrad

Fakt ist aber auch: Der Wandel tritt nicht sofort in Kraft und das weiß die Industrie auch. Deshalb ist das Zurückgreifen auf eine recht alte Technologie eine interessante Entwicklung: Das Fahrrad. Seitdem Batterien und Motoren rapide im Preis sinken und Modelle wie der Loadster eine echte Alternative zum Auto bieten, wird hier zugegriffen. Allein im vergangenen Jahr konnten in Deutschland mehr elektronische Lastenräder verkauft werden als E-Autos. Der Trend ist eindeutig.


Kommen auch in Städten durch: Lastenräder wie der Loadster.


Auch Themen wie der Wetterschutz oder das sichere und bequeme Fahren sind bei Modellen, die auf Kettcars aufbauen, kein Problem mehr. Gerade das Problem des attraktiven Arbeitsplatzes für die Logistik-Branche lässt sich hier sehr gut auffangen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Lastenfahrrädern haben sie eine besonders niedrige Lernkurve und verbinden das gewohnte vom Auto mit dem Vorteil des Pedelecs.

Mit Micro-Hubs zur Mikromobilität

Doch natürlich kommt da die Frage auf: Wie soll denn jetzt der leergefegte Fahrermarkt durch kleine Cargo-Bikes ersetzt werden? In dem sie Teil der Lieferkette werden. Logistikunternehmen verlieren viel Zeit in der Innenstadt und auf der sogenannten „letzten Meile“. Statt in weitere Kraftfahrer zu investieren, könnte auch in so genannte Micro-Hubs investiert werden – kleinere Warenzentren an den Rändern der Stadt. Hier liegen nicht wenige ehemalige Industriegebiete brach.

Da Lastenräder keinen Führerschein bedürfen und eine höhere Attraktivität in Komfort und Fahrweise haben, erweitert sich auch das Feld der Arbeitnehmer, bei gleichzeitiger Kostensenkung pro gefahrenem Kilometer. Mit Hilfe entsprechendem Flottenmanagements und Routenführung kann hier viel Geld eingespart werden, auch wenn es auf den ersten Blick nicht gleich so wirkt.

Der direkte Kontakt ist durch nichts zu ersetzen

Das Ergebnis wäre eine Kombination aus Routen mit Fahrern, Routen mit selbstfahrender Last (ob nun in der Luft oder am Boden) und dem Umladen auf Mikromobilität in den urbanen Räumen. Denn immer wieder lässt sich auch feststellen: Der direkte Kontakt zum Kunden bleibt elementar wichtig. So, wie auch viele Meetings mittlerweile wieder im direkten Gespräch abgehalten werden, ist das Gespräch von Angesicht zu Angesicht ein wichtiger Faktor für die Kundennähe.

Im Handwerk, der mobilen Pflege, beim Kundendienst – in zig Branchen wird sich direkter Kundenkontakt in Kombination mit dem Transport von Gütern nicht abschaffen lassen. Aber auch beim reinen Ausliefern wird es viele Bereiche geben, wo es sehr sinnvoll ist, schnell und flexibel am Kunden orientiert zu agieren. Auch dazu gibt es viele beeindruckende Beispiele.

Eine positive Mobilitäts-Debatte

Auf Amazon Prime kann dieser Tage in der Serie „Auf Achse“ von 1978 nachempfunden werden, was gerne mal als „Trucker-Romantik“ beschrieben wird. Diese Zeit mag vorbei sein. Aber die Antworten auf die Herausforderungen liegen weder einzig in einer besseren Fahrerkabine noch im Hoffen auf die entmenschlichte Ware. Sie liegt im Zusammenspiel aus Innovation, Bewährtem und einer gemeinsamen Vision.

Und auch, wenn einige fordern, die gewonnene Freiheit einzuschränken und den Onlinehandel wieder drastisch zu regulieren: Wollen wir das? Noch eine Debatte um neue Mobilität, die verbietet, wegnimmt und Verdruss auslöst? Vielleicht haben Amazon und Co. da etwas ausgelöst, dass wie eine geöffnete Kiste der Pandora wirken kann. Aber dann lösen wir das Problem eben jetzt mit etwas Verspätung – dafür aber grundsätzlich, nachhaltig und ganzheitlich.


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